Cluster BIOKATALYSE2021
Nachhaltige Biokatalyse auf neuen Wegen
Neue Entwicklungen für die Industrielle Weiße Biotechnologie
So kommt die Creme in den Topf!
Ob Bakterienkulturen oder Enzyme, Biokatalysatoren sind bei der Herstellung von Zusatzstoffen für Kosmetikprodukte inzwischen Stand der Technik. In Hamburg und Duisburg jedoch arbeiten Forscher bereits an der nächsten Entwicklungsstufe, verkörpert durch ein vier Meter langes, aufrecht stehendes Rohr, in dem eine Flüssigkeit schäumt und brodelt. Der Prototyp in Duisburg ist der ganze Stolz des Biotechnologen Professor Andreas Liese von der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Zusammen mit seinen Mitarbeitern Dr. Lutz Hilterhaus und Jakob Müller will er diesen so genannten Blasensäulenreaktor als neues Konzept in der Biokatalyse etablieren. Der Wissenschaftler erforscht die biokatalytische Herstellung von langkettigen Estern: Ein Enzym verknüpft Alkohole und Fettsäuren zu Lipiden, die in Kosmetika zum Einsatz kommen. ❦ Auch Dr. Oliver Thum interessiert sich für diese Reaktionen. Thum ist Leiter der biotechnologischen Forschung der Essener Evonik Goldschmidt GmbH, die mit Biokatalysatoren aus Naturstoffen wie Fettsäuren oder Zucker Komponenten für Kosmetika herstellt. Für den Hersteller ist ständige Innovation überlebenswichtig, denn die Ansprüche von Kunden und Verbrauchern an die Produkte steigen ständig. Gesundheitlich unbedenklich sollen sie vor allem sein, aber auch natürlich, nachhaltig und billig. Seit 2004 arbeiten Thum und Liese, zuerst gefördert durch die FNR (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe), an der Entwicklung eines neuen Reaktortyps, in dem man diese Reaktionen ohne teure und potenziell giftige Lösungsmittel durchführen kann. ❦ Auch ein Unternehmen wie Evonik könne nicht jedes Know-how im eigenen Haus haben, erklärt Oliver Thum. Deswegen sind Kooperationen mit Forschern an Universitäten für den Innovationsprozess entscheidend. „Das Stichwort hier ist open innovation. Wir suchen uns für die Fragestellungen, an denen wir arbeiten, geeignete Experten.“ In diesem Fall Liese und als Dritten im Bunde den Mikrobiologen Professor Wolfgang Streit von der Universität Hamburg, der in der Welt der Einzeller nach neuen Biokatalysatoren fahndet. Gemeinsam haben sich die drei im Rahmen des Clusters BIOKATALYSE2021 um Fördermittel beworben, mit Erfolg. Seit dem ersten Juli 2008 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung ihr Projekt mit mehreren Hunderttausend Euro. Mit diesen Mitteln wollen die drei Wissenschaftler das neue Verfahren entwickeln und in der industriellen Produktion etablieren. ❦ Gerade für Kosmetikgrundstoffe bietet die lösungsmittelfreie Biokatalyse enorme Vorteile, die Liese gerne erläutert. „Die Menschen schmieren sich das ja auf die Haut, salopp gesagt. Deswegen muss man viele Chemikalien, die man während der Reaktion zugibt, aus dem Endprodukt aufwendig wieder entfernen. Besser also, wenn sie gar nicht erst hineinkommen.“ ❦ Doch ganz ohne Lösungsmittel auszukommen, ist eine beträchtliche Herausforderung. Gerade die langkettigen Verbindungen, aus denen die Wachsester hergestellt werden, sind zähflüssiger als normale Reaktionslösungen, sie durchmischen sich schlechter und reagieren langsamer. Zu langsam für die Ansprüche eines Unternehmens, für das Reaktionszeit bares Geld bedeutet. Klassische Rührkessel lösen dieses Problem, schaffen jedoch ein neues: Die Scherkräfte zerstören den Biokatalysator. ❦ Die Lösung ist Gas, viel Gas. Zusammen mit dem auf einem Trägergranulat immobilisierten Enzym werden die Ausgangsstoffe in ein aufrecht stehendes Rohr gefüllt – und dann wird Stickstoff hindurchgepumpt, dreizehn Kubikmeter pro Stunde, die einigen Aufruhr verursachen. Das Gemisch schäumt und spritzt und wird heftig durchmischt, ohne allerdings das Enzym zu beschädigen. ❦ Das ist jedoch noch nicht alles. Bei der Bildung des Reaktionsprodukts entsteht Wasser, und ab einer bestimmten Wassermenge wird genauso viel Produkt vom Wasser wieder gespalten wie neu entsteht. Man kann diesen Gleichgewichtspunkt zu wesentlich höheren Ausbeuten verschieben, indem man das Wasser entfernt. Praktischerweise schleppt der Stickstoff das unerwünschte Reaktionsprodukt aus der Mischung heraus. ❦ Ein preiswürdiges Konzept, fand auch die Jury der Karl H. Ditze-Stiftung, die Lutz Hilterhaus für seine herausragende Dissertation ehrte. Doch noch, erklärt Liese, sei die Technik keineswegs perfekt, im Gegenteil. “Wir haben den Prototypen nach einer groben ersten Abschätzung gebaut.“ Jetzt hat er sich mit Jakob Müller als zweiten Doktoranden auf diesem Thema einen waschechten Ingenieur herangeholt, um das rationale scale-up zu bewältigen. ❦ Bis dahin wird es allerdings ein bisschen dauern, denn bislang ist das Verhalten solcher Systeme noch nicht gut genug verstanden. Bevor die neue Technik in der Produktion zum Einsatz kommen kann, müssen die Wissenschaftler zuerst einmal die Grundlagen für die Planung maßgeschneiderter Reaktoren schaffen. Die Forscher haben es mit einem hochkomplexen Mehrphasensystem zu tun, in dem eine große Menge verschiedener Parameter zusammenkommen. Als erstes Zwischenziel wollen die Projektpartner eine Reihe dimensionsloser Kennzahlen bestimmen, die das Verhalten des Systems unabhängig von der konkreten Anlagengröße beschreiben. ❦ Deswegen geht es jetzt erstmal zurück zu den kleinen Laboranlagen, mit denen alles angefangen hat. In diesen kleinen Modellsystemen kann man Größen wie Stofftransport über Phasengrenzen, Reaktionsgeschwindigkeiten und Stabilität der Enzyme einfacher messen und beschreiben als in großen Technikumsreaktoren. Außerdem will Liese das Reaktorkonzept auf hochviskose Reaktionsmischungen ausweiten. Das gegenwärtige Modellsystem, die Synthese von Myristylmyristat, sei noch recht dünnflüssig. „Auch die Prozessanalytik bei derartigen Verfahren ist noch quasi im finsteren Mittelalter.“ Statt wie bisher Proben aus dem Reaktor zu ziehen, möchte er in Zukunft kritische Parameter wie die Säurezahl mit speziellen Sensoren online messen. ❦ Viel Arbeit also für die drei BIOKATALYSE2021-Clusterpartner, aber auch eine große Chance. Die Biotechnologie, sagt Oliver Thum zum Abschluss, sei die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Das haben schon viele gesagt. Andreas Liese, Oliver Thum und Wolfgang Streit haben sich vorgenommen, es Wirklichkeit werden zu lassen.Erschienen im BIOKATALYSE2021 Clustermagazin, Ausgabe 1, Autor Denis Dilba.
BIORAFFINERIE2021 News
Internationale Konferenz ICPS in Leipzig: Status quo und Zukunftsperspektiven integrierter Bioraffinerien
Die 10te internationale Konferenz "on Polygeneration Strategies" legt ihren Fokus in diesem Jahr auf den Stand der Forschung bei der Entwicklung integrierter und nachhaltiger Bioraffineriekonzepte. BIORAFFINERIE2021-Akteur und Chairman der ICPS Prof. Dr. Martin Kaltschmitt eröffnet die dreitägige Veranstaltung am 7. September in Leipzig. Experten aus aller Welt stellen die unterschiedlichen Nutzungspfade und Konversionstechniken für eine effiziente Biomasseverwertung vor. Bioraffinerien auf Lignocellulose-Basis sind ein zentrales Thema der Vorträge und begleitenden Postersession.Kinder erkunden die Wissenschaft: "Warum man mit Hefe nicht nur Kuchen backen kann"
Vom 13. bis 17. September ist das Audimax der Frankfurter Goethe-Universität wieder Schauplatz für Forschungs- und Entdeckungsreisen der kleinen Nachwuchswissenschaftler. Die Frankfurter Kinder-Uni bietet wieder eine Menge interessanter Einblicke in den Forschungsalltag der Wissenschaftler. Prof. Eckard Boles vom BIORAFFINERIE2021-Cluster zeigt den jungen Zuhörern, wie aus Pflanzenabfällen umweltfreundliche Biokraftstoffe entstehen können.Internationaler Kongress biocat 2010 an der TUHH - Session Bioraffinerie am 1.9.
Am 1. September, dem vierten Kongresstag, widmet sich die biocat den Schwerpunktthemen Bioraffinerie und Bioprocess Engineering. Congress Chairman Professor Garabed Antranikian hat Experten aus aller Welt zur Vorstellung ihrer Forschungsergebnisse zusammengebracht, darunter in dieser Session Dr. Martin Keller vom TUHH-Partnerinstitut Oak Ridge National Laboratory in den USA. Dr. Ulrich Kettling vom BIORAFFINERIE2021-Cluster referiert um 9:30 Uhr über integrierte Prozesse für die Herstellung von Biokraftstoffen und chemischen Produkten aus pflanzlichen Rohstoffen.
Im Bundestag notiert: Markteinführung von Bioraffinerien
Nach Ansicht der Bundesregierung ist derzeit noch kein konkreter Zeitpunkt für eine Markteinführung industrieller Bioraffinerien abzuschätzen, die eine stofflich-energetisch gekoppelte Verwertung anstreben. Der Fokus liege bisher auf verstärkter Forschungstätigkeit wie in den Pilotanlagen der BIORAFFINERIE2021-Akteure Süd-Chemie in Straubing (in Planung) und CropEnergies in Zeitz. Insbesondere das Potenzial der stofflichen Nutzung bei der Substitution von Erdgas und Kohle soll in diesem Zusammenhang zunehmend genutzt werden.
"Biokraftstoffe – Vom Sündenbock zum Vorreiter bei der Setzung von Nachhaltigkeitskriterien"
Das Deutsche BiomasseForschungsZentrum (DBFZ) aus dem Cluster BIORAFFINERIE2021 ist einer der Organisatoren der vierten Biokraftstoff-Fachgespräche am 15. September 2010 in Leipzig. Diesmal werden die Aspekte "Tank versus Teller –Biokraftstoffe und Nahrungsmittel ist möglich", "Potenziale, Flächenverfügbarkeit, Möglichkeiten der Kaskadennutzung", "Bodenfruchtbarkeit und Biokraftstoffproduktion", "Nachhaltigkeit von Biokraftstoffoptionen" und "Zertifizierungssysteme - Stand und Perspektiven" thematisiert.
RSS-Feed Biotechnologie.de
Mit der großangelegten PRE-POINT-Studie wollen Biomediziner untersuchen, ob sich Kinder gegen Diabetes-Typ1 impfen lassen, in dem sie vorbeugend Insulin einnehmen. Koordiniert wird die weltweite Studie in Dresden.
Heinrich Leonhardt gehört in Deutschland zu den profiliertesten Experten im schnell wachsenden Zweig der Epigenetik. Seit 2002 erforscht er die chemische Modifikation des Erbguts an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Heidelberger Forscher haben einen genetischen Atlas von Hirnstrukturen des Meeresringelwurms angefertigt. Das verblüffende Ergebnis: Bestimmte Strukturen sind dem menschlichen Großhirn sehr viel ähnlicher als angenommen. Offenbar hatten Menschen und Würmer in der Evolution einen gemeinsamen Vorfahren.
Münchner Biochemiker haben erstmals beobachtet, wie Bakterien nährstoffarme Zeiten überdauern und dazu die Protein-Produktion zurückfahren.
Berliner Forscher haben mit Kollegen aus Heidelberg und Jena die genaue Eiweiß-Zusammensetzung des Zentrosoms bei Fruchtfliegen aufgeklärt.
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Fast im Gleichschritt finanzieren sich die deutsche Protagen AG und die Schweizer Pevion AG. Beide...
Karl-Heinz Maurer ist mit dem BioCat Award 2010 in der Kategorie Industrielle Forschung...
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Die Münchener MorphoSys AG und die britische Absynth Biologics AG arbeiten zusammen, um Therapien...
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Video: Mikroorganismen aus der Tiefsee
